Noch heute ist von einer denkwürdigen Aufstiegsparty die Rede. Die Beteiligten erinnern sich an eine „zünftige Sause“, haben aber durchaus auch Erinnerungslücken. Verständlicherweise, denn neben Schweiß und Freudentränen floss im Anklamer Werner-Seelenbinder-Stadion vor allem reichlich Bier. Fast auf den Tag genau 15 Jahre ist es her, dass die damals mit zahlreichen Jungspunden besetzte erste Männer-Mannschaft unseres Vereins durch einen Heimerfolg gegen Traktor Dargun vorzeitig den Aufstieg in die Fußball-Verbandsliga perfekt machte.

Die „dritte Halbzeit“ des drittletzten Punktspiels der Saison 2010/11 hatte es anschließend in sich. „Oh ja, mit den Jungs konnte man nicht nur auf dem Rasen jede Menge Spaß haben, sondern auch ausgelassen feiern“, erinnert sich der damalige Aufstiegstrainer Rainer Gütschow. Genau diese Erfolgsmannschaft kommt nun noch einmal zusammen. Am Samstag treffen sich die Aufstiegshelden von 2011 im Werner-Seelenbinder-Stadion wieder, um 15 Jahre nach ihrem historischen Triumph gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Auf dem Programm stehen im Rahmen des diesjährigen Ford-Schröder-Cups ein Freundschaftsspiel gegen aktuelle Kicker unseres Vereins (Anpfiff 15 Uhr) und ein gemütliches Beisammensein, bei dem die Geschichten von damals sicherlich noch einmal lebendig werden.

Gütschow übernahm 2009 den Trainerposten bei der „Ersten“ und formte aus zahlreichen talentierten Kickern aus dem eigenen Nachwuchsbereich innerhalb kürzester Zeit eine schlagkräftige Landesliga-Truppe. „Bereits im Verlauf der Saison 2009/10 lief es für uns richtig gut, womit im Vorfeld wohl kaum jemand gerechnet hat. Es war nicht unser Ziel, aufzusteigen. Wir wollten aber das Leistungsniveau in der Landesliga mitbestimmen. Am Ende standen wir hinter dem Grimmener SV auf dem zweiten Tabellenplatz“, blickt Rainer Gütschow zurück. Er machte aus dem Team eine echte Einheit: „Das war schon eine richtig geile Truppe mit Spielern wie Frank Loßmann, Marco Hartmann, Maximilian Stöck, André Dreier, Maurice Wühn und all den anderen, die Woche um Woche über sich hinausgewachsen sind.“

Die logische Konsequenz: Auch im Spieljahr 2010/11 mischten die Anklamer in der Landesliga-Tabelle ganz oben mit. Mehr als das: Sie wurden für ihre überragenden Leistungen mit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse Mecklenburg-Vorpommerns belohnt. In der Endabrechnung standen 60 Punkte und ein Vorsprung von zwölf Zählern auf den Tabellenzweiten FC Neubrandenburg II zu Buche, wobei nur zwei der insgesamt 26 Punktspiele verloren gingen. „Die Jungs haben sich selbst von Rückschlägen nicht zurückwerfen lassen. Im Heimspiel gegen den FC Insel Usedom lagen wir zwischenzeitlich schon mit 0:2 hinten, konnten das Ergebnis in der Schlussphase aber noch drehen und mit 3:2 gewinnen“, erinnert sich der Aufstiegstrainer. Den Sprung in die Verbandsliga machte seine Mannschaft schließlich bereits am 24. Spieltag durch einen 3:1-Erfolg gegen Traktor Dargun perfekt. „Der Jubel nach dem Abpfiff kannte keine Grenzen.“ Zwei Wochen später verabschiedeten sich die Akteure um Mannschaftskapitän Michael Jeske mit einem 7:2-Torfestival gegen den VfB Pommern Löcknitz aus der Landesliga.

Als Vater des Erfolgs wurde Rainer Gütschow ausgelassen gefeiert. Noch heute erinnern sich die damaligen Youngster gern an die gemeinsame Zeit mit ihm. „Er war der perfekte Trainer in meiner Übergangszeit von den A-Junioren zu den Männern. Rainer hat uns jungen Spielern viel Vertrauen geschenkt“, sagt Phil Skeip, der als 17-Jähriger unter Gütschow sein Debüt in der ersten Männermannschaft gab. Auch David Schulz blickt dankbar zurück: „Rainer hat uns vor allem Kampfgeist und Siegeswillen eingeimpft. Er hat mir den Einstieg in die Erste sehr leicht gemacht.“ Neben vielen anderen Spielern werden auch Skeip und Schulz am Samstag auflaufen.

Nur wenige Monate nach dem Aufstieg legte Gütschow sein Amt aus persönlichen Gründen nieder und verabschiedete sich mit den Worten: „Ich gehe schweren Herzens und bin stolz darauf, mit diesem jungen Team den Verbandsliga-Aufstieg geschafft zu haben. Ich werde den Jungs jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ Gesagt, getan: Vier Jahre später kehrte er in schwieriger Situation zurück. Nach einer Serie von 13 Verbandsliga-Niederlagen in Folge übernahm er erneut Verantwortung und führte die Mannschaft zu ihren alten Tugenden zurück. Auch nach dem Abstieg hatte Gütschow maßgeblichen Anteil daran, dass sich unser Verein wieder in der Landesliga etablieren konnte. Nach der Saison 2018/19 zog er sich endgültig als Trainer der ersten Mannschaft zurück.

Am Samstag werden die Erinnerungen an eine der erfolgreichsten Mannschaften der jüngeren Vereinsgeschichte noch einmal lebendig – auf und neben dem Platz.